Sattelbreite bestimmen, so geht´s


Vorab ist zu unterscheiden zwischen Radfahrern, die oft weite Strecken zurücklegen und gemütlichen Gelegenheitsradlern, die ab und zu eine Tour unternehmen. Die Dauer dieser Touren ist aber nicht länger als ca. 30 Minuten. Gehören Sie zur letzen Gruppe, dann kaufen Sie sich einen Sattel, auf dem Sie angenehm sitzen und der Ihrem Budget entspricht. Die weitere Vorgehensweise richtet sich an die Vielfahrer und ist für Sie nicht unbedingt nötig. Sie machen aber auch nichts falsch, wenn Sie Punkt 1.) durchführen und mit diesem Wissen Ihren Sattel kaufen.

Der Abstand Ihrer Sitzknochen in Abhängigkeit zu Ihrer Sitzposition auf Ihrem Fahrrad ergibt Ihre richtige Sattelbreite. Ihre optimale Sattelbreite bestimmen Sie also relativ schnell, wenn Sie wie folgt vorgehen:

1.) Messen Ihres Sitzknochenabstandes (im folgenden SKA)

Um den Abstand der Sitzknochen zu bestimmen, setzen Sie sich aufrecht auf ein Stück Wellpappe, das auf einem harten planen Tisch, Stuhl oder einer Treppenstufe liegt. Achten Sie dabei auf dünne Bekleidung wie bspw. eine Turnhose o.ä. Dann ziehen Sie Ihren Körper mit den Händen kräftig senkrecht nach unten gegen die Wellpappe. Die Sitzknochen hinterlassen zwei Abdrücke. Nun kreisen Sie mit einem Stift die beiden Druckstellen ein. Den Abstand messen Sie dann von der Mitte (tiefste Stelle) Abdruck 1 bis zur Mitte (tiefste Stelle) des Abdrucks 2. Liegen Sie bspw. bei 12,5 cm, dann runden Sie auf 13 cm auf. Lieber etwas breiter als zu schmal.

2.) Wie sitzen Sie auf Ihrem Rad? Daraus ergibt sich dann der entsprechende Breitenzuschlag:

Sattelbreite bestimmen, Fahrertypen Grafik SQlab

a) Sie liegen auf Ihrem Rennrad, Ihr Rücken befindet sich (fast) in der Waagerechten / Triathlonposition
Ihr Rückenwinkel zur Waagerechten beträgt 0° bis 15°
Ihr SKA = Sattelbreite + 0 cm

b) Sie fahren Rennrad oder MTB sehr weit nach vorne gebeugt, Ihr Sattel ist höher als der Lenker
Ihr Rückenwinkel zur Waagerechten beträgt 15° bis 30°
Ihre Sattelbreite = SKA + 1 cm
Beispiel: SKA 12cm -> Sattelbreite: 13 cm

c) Sie fahren Trekkingrad, ca. 45° (+- 15°) nach vorne geneigt, Sattel- und Lenkerhöhe sind fast gleich
Ihr Rückenwinkel zur Waage- oder Senkrechten beträgt 45° (+- 15°)
Ihre Sattelbreite = SKA + 2 cm

d) Sie fahren Cityrad, leicht nach vorne geneigt, Ihre Sattelhöhe ist tiefer als die Lenkerhöhe
Ihr Rückenwinkel zur Waagrechten beträgt 60° bis 70°
Ihre Sattelbreite = SKA + 3 cm

e) Sie fahren Hollandrad, (fast) aufrecht, Ihr Sattel ist tief, Ihr Lenker ziemlich hoch
Ihr Rückenwinkel zur Waagrechten beträgt 70° bis 90°
Ihre Sattelbreite = SKA + 4 cm

Wenn Sie nicht ganz sicher sind, welche Breite Sie nehmen sollen, weil Ihr Sitzknochenabstand zwischen zwei ganzen Zahlen wie bspw. 12,5 cm liegt, dann wählen Sie in jedem Fall den nächst breiteren Sattel, analog zum Beispiel also 13 cm plus den eventuellen Zuschlag aus Ihrer Fahrerposition siehe b) bis e).

Abschließend sei noch gesagt, dass Sie beim Fahren mit Ihrem neuen Maßsattel anfangs Ihre Sitzknochen spüren werden. Das zeugt von einer korrekten Sattelwahl! Die ersten Touren werden gewöhnungsbedürftig sein. Sie sollten auch keine größeren Zeitabstände als 14 Tage auseinander liegen. Sie beginnen sonst immer wieder von vorne, Ihre Sitzknochen an ihren Satteljob zu gewöhnen. Wenn Sie das einhalten können, dann werden Sie bereits nach einigen Touren ein überraschend angenehmes Fahrgefühl empfinden. Es ist so, als wäre der Sattel ein Teil von Ihnen geworden und Sie glauben, damit um die Welt fahren zu können…

Nun, einige machen das auch ;-)

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